Deutsch-Amerikanisches Studentenaustausch-Programm

Ansprechpartner vor Ort:

Dies ist das größte Programm des Verbandes und hat im Laufe seines Bestehens das Ziel unserer Organisation, die Förderung der Verständigung und die Pflege der Freundschaft zwischen Deutschen und Amerikanern in ganz besonderer Weise verwirklicht. Seit dem Abbau der NATO-Truppen und der damit verbundenen Reduzierung amerikanischer Präsenz in Deutschland hat der Studentenaustausch - zusammen mit der Jugendarbeit - für die Ziele des Verbandes eine noch größere Bedeutung erlangt. Kennenlernen und gegenseitiges Verständnis sind kaum besser zu erreichen als durch Studium und Leben im anderen Land.

Der GAWC vergibt jährlich ein Stipendium für einen oder zwei Studenten aus Heidelberg und Umgebung, um in den USA studieren zu können.

Link zum Verband

www.vdac.de

Studentenaustausch - Presse

Artikel Rhein-Neckar-Zeitung (27.06.2009)

Studentenaustausch - Erfahrungsberichte

Mein Name ist Sonja Christoph und ich bin 26 Jahre alt. Anfang 2005 entschloss ich mich dazu, meinen bisherigen Lebensmittelpunkt von Florida in den Vereinigten Staaten von Amerika nach Europa, genau genommen Deutschland, zu verlegen, um dort ein Studium zu beginnen.

Ich entschied mich für die Universitätsstadt Heidelberg und bekam dort für das Kurzzeitstudium Deutsch als Fremdsprache, Literaturwissenschaft und Geschichte durch den Verband des Deutsch-Amerikanischen Clubs (VDAC) ein Stipendium vermittelt, welches es mir ermöglichte, meine Vorstellungen umzusetzen und im August 2005 nach Heidelberg in ein Studentenwohnheim zu ziehen und mein Studium aufzunehmen.

Nach nun einem Jahr in Deutschland komme ich der Aufforderung des VDAC gerne nach und schildere im Folgenden meine Erfahrungen, die ich in diesem Jahr sammeln konnte.

Meine Ausführungen habe ich in zwei Teile gegliedert. Im ersten Abschnitt möchte ich meine persönlichen Motivationen darlegen, die mich bewegt haben, nach Deutschland und speziell nach Heidelberg zu kommen, um dann im zweiten Abschnitt über meine gemachten Erfahrungen im Studium in Heidelberg und dem VDAC zu sprechen. Um es vorweg zu nehmen, es wird ein äußerst positiver Erfahrungsbericht werden.

Mein Interesse für Deutschland, dem Land, die Menschen, dessen Kultur und Sprache lässt sich ganz einfach durch die Tatsache erklären, dass ich deutscher Abstammung bin. Mein Vater wurde in Breslau geboren und wuchs in der Nähe von Regensburg auf. Er wanderte dann in die USA aus, wo er meine Mutter kennen lernte und mit ihr eine Familie gründete.

Schon früh entdeckte ich in mir die Leidenschaft zu lesen. Und während Edgar Allen Poe schnell zu meinem ersten Lieblingsschriftsteller wurde, richtete sich mein Augenmerk immer mehr auf die deutsche Literatur. Werke wie The Metamorphosis (Die Verwandlung) von Franz Kafka, Tonio Krüger von Thomas Mann oder Letters to a Young Poet (Briefen an einen jungen Dichter) von Rilke verschlang ich förmlich.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich nicht das Glück hatte, zweisprachig aufzuwachsen. Wie in vielen Einwandererfamilien vertraten auch meine Eltern die Ansicht, dass es besser für uns Kinder sei, nur in der Sprache der neuen Heimat aufzuwachsen.

Somit begegnete ich der deutschen Literatur nur in englischen Übersetzungen, aber meine Faszination schränkte dies nicht ein. Ich begann mich für die Biographien der Autoren zu interessieren und für die Zeiten, in denen sie gelebt hatten. Somit dehnte sich mein Interesse rasant aus. Ich wollte nicht nur die Texte, sondern auch die Gesamtzusammenhänge verstehen zwischen dem Geschriebenen, den Intentionen der Autoren, dem kulturellen Umfeld, und den Gefühlen, die die Autoren zum Schreiben trieben. Profundes Wissen um die deutsche und somit die auch um die europäische Geschichte waren von Nöten, um kulturelle, soziale und historische Zusammenhänge zu verstehen. Mein Interesse für Literatur, europäische Geschichte und Kultur manifestierte sich konsequent in meinem Hobby, dem Lesen.

Beruflich entwickelte ich mich jedoch in der Zwischenzeit in einem anderen Feld weiter und konnte mich leider immer weniger meinem Hobby, dem Lesen, widmen.

Doch meine Leidenschaft für Literatur und Geschichte erlosch nicht, sondern loderte weiter und manifestierte sich 2005 in dem Beschluss in das Land zu ziehen, dem all die Dichter entsprungen waren, dessen Bücher ich verschlungen hatte. Ich wollte vor Ort alles aufsaugen, was mich schon seit je her so sehr interessiert hat: die deutsche Kultur.

Und mit diesem Beschluss wollte ich auch endlich jene Hürde brechen, die mich bislang vom Lesen aller Werke in den Originalfassungen abgehalten hatte: ich wollte die deutsche Sprache lernen.

Mein Vater ermutigte mich und eines Tages schenkte er mir eine Erstveröffentlichung von Goethes Faust. Es war ein altes Buch, welches mein Vater schon von seiner Mutter vererbt bekommen hatte. Dies schien mir ein Zeichen zu sein, und ich wagte den schweren Schritt alles hinter mir zu lassen, um endlich all meine Wünsche und Pläne zu verwirklichen und ein Studium der Literatur und Geschichte in Deutschland zu beginnen.

Bei der Wahl der Universität in Deutschland gab es natürlich viele Orte, die mich auf Grund ihrer Geschichte interessierten, jedoch stach Heidelberg aus allen heraus. Heidelberg, mit der ältesten Universität Deutschlands. Heidelberg mit seinen vielen Erwähnungen in deutschen Gedichten, gipfelnd in der Ode an Heidelberg von Hölderlin, (dessen Gravur ich mittlerweile im Philosophenweg lesen konnte), machte diese Stadt zu einem Magneten für mich. Und mit jeder Recherche, die ich mehr über diese Stadt durchführte, war ich mir meiner Wahl gewiss.

Nun galt es, mir dieses gesetzte Ziel auch zu verwirklichen. Und an dieser Stelle wurde der VDAC zu meiner großen Chance: ich bewarb mich für ein Stipendium des VDAC für das Studienfach Literaturwissenschaften und Geschichte in Heidelberg. Ich konnte es kaum glauben, als ich dann wirklich akzeptiert wurde. Ein neuer Abschnitt in meinem Leben begann. Ein Abschnitt oder viel mehr noch: ein Traum, dessen Umsetzung mir der der VDAC ermöglichen sollte.

Nach nun einem Jahr, blicke ich auf die wohl zwölf aufregendsten und interessantesten Monate meines Lebens zurück.

Die Widrigkeiten, die das Vorbereiten auf einen längeren Auslandsaufenthalt und das Aufgeben des eigenen Berufes mit sich bringen, und die es zu überwinden galt, oder der schwere Abschied von der Familie, lasse ich in diesem Bericht außen vor, erzähle aber gerne von meinen Erfahrungen kurz nach Ankunft in Deutschland.

Die Sprachbarriere, ich selbst hatte bislang nur zwei Semester Deutsch in der Schule gelernt, war wesentlich höher als ich dachte. Somit wurden administrative Aufgaben wie Gespräche mit den Studienberatern, mit dem Hausverwalter meiner Unterkunft und ähnliche Dinge zur ersten großen Herausforderung. Ich musste erst lernen, mich in den regionalen Dialekt einzuhören.

Die ersten Vorlesungen gestalteten sich ähnlich. Es war sehr schwer für mich dem Gesagten zu folgen und ernsthafte Zweifel kamen in mir auf, ob ich den mit dem Studium und dem Umzug nach Deutschland die richtige Wahl getroffen hätte. Ich denke nachträglich, dass es einfach die Flut an neuen Eindrücken ist, die einen erschrecken lässt und im Allgemeinen wohl unter den Begriff „Kulturschock“ fällt: eine neue Sprache, andere Universitätsabläufe, keine Freunde, keine Familie, die einen stützen können und die Ungewissheit, ob man all diesen Herausforderungen gewachsen ist.

Ich war sehr froh, dass mir in dieser Zeit meine VDAC Student Exchange Chairperson vor Ort in Heidelberg, Frau Lipinski, immer zur Seite stand und mir bei vielen Dingen helfen konnte. Ich danke ihr dafür sehr, zumal ich immer das Gefühl hatte, dass diese Unterstützung mit viel persönlichem Eigenengagement verbunden war und über das hinaus ging, was ich erwartet hatte.

Man sagt „Aller Anfang ist schwer“ und so setzte bei mir eine tiefe Befriedigung ein, als ich den Vorlesungen immer besser folgen konnte, als sozusagen der Autoübersetzer in meinen Kopf anfing alleine zu arbeiten und die Aufmerksamkeit für das Wesentliche in der Universität frei wurde.

Neben dem Studium und dem Leben in Heidelberg boten sich mir durch die Zugehörigkeit zum VDAC aber auch noch andere, sehr interessante Gelegenheiten, Deutschland auf verschiedenste Arten kennen zu lernen.

Ich durfte an den VDAC Seminaren teilnehmen, welche immer mit einem interessanten Rahmenprogramm verbunden waren. So konnte ich nach Berlin, Kaiserslautern, Stuttgart und Tübingen reisen und auch andere Teile von Deutschland kennen lernen.

Ich glaube, es ist nicht notwendig zu beschreiben, wie beeindruckend diese Städte samt ihrer Geschichte sind. Genauso wenig muss ich wohl erwähnen, wie faszinierend schön ich den Stuttgarter Weihnachtsmarkt fand, wie sehr ich die Stockerkahnfahrt in Tübingen genossen habe, wie beeindruckt ich von der Burg Hohenzollern war und wie ich von jeder dieser Wochenenden zurück nach Heidelberg kehrte und dankbar für diese Möglichkeiten war, neue, große Einblicke in die deutsche Kultur bekommen zu haben. Ich danke dem VDAC sehr dafür, uns ausländischen Studenten dies zu ermöglichen.

Aber es ist noch mehr: für die interessanten Diskussionen mit anderen Teilnehmern, für die anregenden Gespräche mit den Chairpersons des VDAC, für viele schöne Momente und viele interessante Eindrücke, und für so vieles „Kleines“ möchte ich mich auch bedanken, was in meinen Augen immer ganz groß war.

Als Beispiel für eine bemerkenswerte Erfahrung auf menschlicher Ebene würde ich an dieser Stelle gerne den Pfennigbasar anführen. Es handelt sich dabei um eine karikative Veranstaltung, die jährlich von den Damen des Deutsch-Amerikanischen Frauenclub Heidelbergs (DAFC) durchgeführt wird, um Geld für den Verband zu sammeln, also auch, um uns ausländische Studenten zu fördern. Dabei werden nicht mehr benötigte Textilien gesammelt und beim Pfennigbasar verkauft.

Im letzten Jahr half ich beim Verkauf mit. Es war eine Ehre, den Damen des DAFC bei ihrer Arbeit helfen zu können. Ich war sehr angetan davon, mit wie viel Mühe der Verkauf vorbereitet wurde und mit welcher Leichtigkeit meine Kolleginnen an diesem Tag ihre Aufgabe meisterten. Begleitet von viel Leidenschaft und Herz verlebte ich einen tollen Tag auf diesem Basar und ich frage mich noch heute, wie es den Damen so ein Leichtes war, den ganzen Tag mit einem Lächeln im Gesicht auf den Beinen zu sein. Eine respektable Leistung und trotz all der Anstrengungen ein wunderschöner Tag, der mir vor allem zeigte, wie viel Herz im DAFC und somit auch im VDAC steckt.

Ich hoffe, ich konnte zum Ausdruck bringen, wie viel für mich die Unterstützung durch den VDAC bedeutet hat und wie dankbar ich dafür bin. Neben der finanziellen Hilfe, die der VDAC leistet, konnte ich noch etwas erfahren, was meines Erachtens noch viel wichtiger ist: er trägt viel Herz und Engagement in sich. An einer besseren Stelle könnte ich dann auch nicht Frau Bell-Köhler erwähnen, die mich genau wie Frau Lipinski, als Mensch sehr beeindruckt hat.

Zusammenfassend kann ich für mich sagen, dass ich mir sicher bin, mit dem Umzug nach Heidelberg und der Aufnahme des Studiums den richtigen Schritt in meinem Leben getan zu haben. Vielmehr noch: ich bin froh und stolz darauf. Nun möchte ich mein Studium hier abschließen und freue mich auf jeden Tag, den ich mich noch mit Wissen voll saugen kann, wie der trockene Schwamm im Wasser. Ich danke dem VDAC sehr für das Stipendium, ohne dass es für mich in keinster Weise mögliche gewesen wäre, mir meinen Traum zu verwirklichen.

Das deutsche Land, welches ich in vielen Reisen kennen lernen konnte, und speziell den Rhein-Main Raum, habe ich in der Zwischenzeit sehr lieb gewonnen, ich fühle mich fast schon wie zu Hause. Die Menschen sind alle sehr nett zu mir und ich fühle mich integriert und akzeptiert. Ich bin mir sicher, dass ich nach Abschluss des Studiums noch einige Zeit länger in Deutschland verweilen werde.

Und für den Tag nach Erhalt meines Abschlusses habe ich auch schon einen Plan: ich werde genüsslich und in Ruhe die Erstausgabe von Goethes Faust, dem Geschenk meines Vaters, auf einer Bank am Neckar lesen und das Gefühl zelebrieren, mir einen Traum erfüllt zu haben.

Nochmals vielen Dank!

Ihre

 

Sonja Christoph

 

 

Guten Tag, ich bin Nathaniel Finley, der Austausch
Student hier in Heidelberg für 2006/2007. Ich soll
Ihnen mich alle zum erst für diese Möglichkeit
bedanken. Ich habe hier schon ganz viel gelernt und
erlebt und alles ist so wünderbar das man es kaum
glauben kann. Herzlichen Dank für diese Erfahrung und
dieses Program.
I was asked to introduce myself to you all, and to
tell you just a bit about myself. I prepared a short
speech this last week but it ended up being much too
long and complicated for today's purposes, so I had to
abandon it last evening in hopes of a shorter and
simpler introduction. I'm a PhD student, and my
sponsor's husband, Dr. Lipinski, told us just last
week that there are two types of PhD students. The
first is the type who do work that is rather practical
and actually has the promise of seeing some use in the
world, and the second is the type who do work that is
so abstract that it ends up sitting on the top floor
of the library where nobody notices it gathering dust.
Unfortunately, I fall into the latter category. But
I'll try to be brief and not impede too much on our
more practical minds.
Das ist, aber, nicht zu sagen, das man nicht Kreativ
sein kann. Zum mindestens, kann man eine Lustige
Vorstellung geben, oder? So habe ich es als Gedichte
geschrieben...

I'm a blues fan, so I wrote this kindof sad-like.
It's called
'A visit from St. Nick Blues'

Twas the night before Christmas,
and all through the house,
I was the only one stirring,
Alle die Reste waren aus.

Wenn plötzlich es klingelt
Und kloppft an die Tür.
Ich machte mal auf
Ein kleinigkeit nur.

There was a man,
all in red and in white,
St. Nick! I cried,
Or is it Santa you like?

Sankt Nicholas,
Sagt er, als der von der Nacht kam,
Und setzte sich hin,
With his sled parked on my lawn.

Why have you stopped here?
I asked as I poured us out coffee.
Has something gone wrong,
Are you tired or weary?

Nay, nein,
Sagt der Man,
Mit dem langen weissen Bart,
Die Fahrt ist doch niemals schwer oder hart.

He drank down my coffee, with one giant swallow,
and devoured my cookies and cake and fresh baked
pandoro.
Are you Nathaniel V. Finley,
He asked wiping his chin,
I answered assuredly
I surely am him.

Studierst du geschichte, philosophy
und literatur?
Bist du doktorant,
hast du sowas vor?

Ja wohl,
antwortete ich,
das bin ich ja sicher,
Ich studiere so was, zum mindestens augendblichlicher.

Na gut, sagte er,
Kommst du aus Florida?
Magst du ja joggen,
Und lesst du in der Sonne?

I jog somewhat frequently,
I answered forlorn,
what were these questions,
where was this going?

I read in the sun,
I come from Florida,
But you can hardly have one
without having the other!

Wahr, wahr, sagte er
und Kratzte sein Kinn,
Sage mir hast du einen älteren Bruder,
und eine kleine Schwesterschen?

Ja sicher habe ich,
der ein und die andere
Und Mutter und Vater
Gibts Viel meiner Familie!

Just one question more,
he said as he stood,
were you a sailor before,
And traveled a bit through the world?

Na ja, what's a bit?
I've seen a few places,
I was a few years in the Navy,
I've walked a few paces.

He nodded his head, and patted his belly,
'well then my boy, looks like I've answered my query.
It's not you that I'm searching,
but another Nate Finley.

Was soll das dann heissen,
Ich fragte verwirrt,
Haben Sie mich verwechselt
Sind Sie jetzt mal entwirrt?

Keine Sorge, sagte er,
Ich habe es jetzt Klar,
Ich habe was für Nathaniel
Aber ein einder Scholar.

Der kommt aus Peru
Und studiert Medizin,
Und joggt überhaupt nicht,
und macht keine Reisen.

Der hat keine Brüder
Und Kein Schwester dazu
Und ich habe was für ihm
a present or two.

Der gah eh der kam
Und lickity split,
Der war durch die Nacht
Richtung Ägypt.

Dann dachte ich noch,
Bin ich blüd oder was,
Der Santa war hier und ich bekam kein Present!

'twas the night before Christmas
and quiet all through and through,
I sat gloomy and heartbroke
that I didn't come from Peru.

Danke sehr. Es freut mich sehr heir in Heidelberg zu
studieren und Sie alle kennenzulernen. Es freut mich
auf dem kommenden Jahr, and I hope that these holidays
will be especially joyful for you and your families.
And I hope that this year Santa brings me a present or
two. Thank you very much.

 

 

Meine Zeit in Deutschland war unglaublich. Ich habe sehr viel gelernt und sehr viel gesehen. Was mich am meisten bewegte waren die neuen Eindruecke, die ich bekommen habe und weiter gegeben habe. Erlebnisse in Heidelberg hat meine Augen geoeffnet und mir Mut gegeben.

Heidelberg ist eine Stadt mit vielen Gesichtern.
Alle meine Freunde kamen aus verschiedenen Laendern. Durch die "Koch-Abende" und unsere freie Zeit auf der Neckarwiese, habe ich gesehen wie klein unsere Welt doch ist. Dort konnte man so viele Menschen unterschiedlicher Kulturen antreffen. Jedoch konnten wir miteinander lernen und lehren. Mit einer amerikanischen Freundin habe ich den "Frauen-Abend" eingefuehrt, der normalerweise eine typisch amerikanische Studententradition ist. Als Frauen in der modernen Welt muessen wir miteinander sprechen und uns auch gleichzeitig unterstuetzten. Diese Abende hatten das bestaetigt. Wir sahen, dass man nicht gleich ab 21 einen Lebenspartner haben muesse, sondern auch mit den besten Freundinnen viel Spass haben konnte!

Dieses Jahr zeigte mir was Menschlichkeit beinhaltete. Das Leben ist sehr schoen und hat viel zu geben. Man braucht sich nur zu Bemuehen und den Mut aufzubringen die ersten Schritte zu machen.

Viele Gruesse aus Tucson!
Christina Butler, 4/2005

 

Durch das Stipendium des Deutsch-Amerikanischen Klubs hatte ich die Moeglichkeit, nach Deutschland wiederzukehren, wo ich schon als "Rotary" Austauschstudentin ein Jahr gelebt hatte. Diesmal war aber alles anders. Statt in einer Gastfamilie zu wohnen, wuerde ich in einer WG mein Glueck versuchen, und ich wuerde kein Gymnasium besuchen, sondern eine Universitaet. Und da ich diesmal mit guten Deutschkenntnissen ankam, konnte ich wie ein normaler deutscher Student am Unterricht teilnehmen. Da die Deutsch-Fakultaet an meinem College sehr klein ist, war ich besonders froh, eine gute Auswahl an Kursen besuchen zu koennen. Ich habe einiges ueber die deutsche Geschichte, Politik und Literatur gelernt, die ich in Amerika kaum haette lernen koennen.

An der Uni habe ich viele in- und auslaendische Studenten kennengelernt. In Heidelberg kommt ein grosser Prozentteil der Studierenden aus dem Ausland, und diese bunte Mischung der Nationen gab der Stadt eine besondere Atmosphaere. Natuerlich musste man erst lernen, die Touristenhorden zu umgehen, aber zum Glueck verlassen die Touristen kaum die Hauptstrasse, und selbst der beruehmte Philosophenweg war meist Touristenfrei.

Vielleicht das Wichtigste, was ich in Deutschland gelernt habe ist, wie gefaehrlich Stereotypdenken sein kann. Die Deutsche sollen geschlossen und steif sein, auch nach ihrer Selbstbeschreibung. Aber ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Durch meinen "local club," den Schifferstadter Schachclub, gelegentliche Jobs und natuerlich Freunde hatte ich auch Kontakt zu Deutschen aus allen Schichten und Berufen. Ich habe bei allen fast nur gute Erfahrungen gemacht -- sie waren aufgeschlossen und freundlich mir gegenueber. In Deutschland werden die USA zwar stark in den Medien representiert, aber das uebermittelte Bild ist verbesserungsduerftig. Ein Lernpartner reagierte ueberrascht als er erfuhr, dass ich Gegner des Irak-Krieges bin, weil er den Eindruck hatte, das ganze Land wuerde den Krieg unterstuetzen. Andere nahmen an, dass ich gerne bei McDonald's esse, Anhaengerin einer "Sekte" bin (ich bin Presbyterianerin, eine protestantische Kirche mit etwa 2,5 Millionen Anhaengern in den USA), oder einfach eine "untypische" Amerikanerin sein muss, weil ich nicht zum Stereotyp passte!

Schlimm war in Heidelberg nur das Wetter! Der lange, graue Winter war fuer mich um so schlimmer, weil es kaum Schnee gegeben hat. Die kurze Tage und lange Naechte (in Dezember hatten wir ueber eine Stunde Tageslicht weniger als in meiner Heimatsstadt in Pennsylvania) waren mir auch ein bisschen viel, und ich war froh, als ich in den Semesterferien nach Hause konnte. Als ich im April wieder nach Deutschland kam, fing der Fruehling gerade an, und es bluehte die ganze Stadt. Da wusste ich, warum Hoelderlin Heidelberg als "der Vaterlandsstaedte laendlich-schoenste" besungen hatte. Durch das Seminar "Heidelberg-Dichtung" lernte ich ein wenig die Geschichte der kleinen Stadt am Neckar kennen.

Deutschland ist mir inzwischen wie eine zweite Heimat ans Herz gewachsen. Ich bin stets auf der Suche nach einer Identitaet zwischen den beiden Staaten, zwischen Europa und Amerika. Im "alten" Europa fand ich eine neue Heimat. Dies soll nicht heissen, dass ich "ueberall zu Hause und nirgends daheim" bin, aber mein Leben wurde um eine Welt erweitert. Zu Hause merk ich schon, wie sehr ich mich an der deutschen Lebensart gewoehnt habe. Ich renne durchs ganze Haus und mache immer wieder alle Lichte aus, aergere mich, dass es in meiner Stadt keine gemuetliche Kneipe mit einem guten Hefeweizen gibt, fahre mit dem Fahrrad einkaufen. Bei den olympischen Spielen schau ich Fussball und schreie den Fernseher an, wenn eine falsche Abseitsentscheidung faellt. Im Internet verfolge ich die neusten politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik und in Europa. Fast die Haelfte der Buecher in meinem neuen Studentenzimmer sind auf Deutsch, weil ich Sprachentzug befuerchte.

Aber ueber manche heimische Kleinigkeiten freue ich mich: bestimmte Gerichte, die mir gefehlt hatten, und andere die ich schon fast vergessen hatte, sind wieder leicht zu bekommen. Als ich sonntags feststellen musste, dass ich im Haus kein Essen hatte, ging ich einfach zum Supermarkt und kaufte ein. Die Professoren an meinem College kennen meinen Namen, haben Sprechstunden mehrmals die Woche und sind meistens auch ausserhalb der Sprechstunde zu einer kurzen Unterhaltung bereit. Und obwohl die kommende Wahl keinem hier gleichgueltig ist, werde ich nicht jeden zweiten Tag als repraesentative Amerikanerin darueber befragt!

Vor einem Jahr las ich ein Buch mit dem Titel "Ueber die Deutschen." In diesem Buch stand vieles ueber die deutsche Geschichte, die deutsche Gesellschaft, das deutsche Nationalbewusstsein und seine langsame, hinkende Entwicklung ueber die Jahrhunderte. Ich lernte, warum und wie Preussen die deutsche Entwicklung so nachhaltig gepraegt hatte. Ich lernte, wieso Deutschland so spaet den Weg zur Nation einschritt. Und ich sah ein, dass bestimmte Ereignisse und Ideen Deutschland so stark beeinflusst haben, dass sie sowas wie gemeinsame Nenner fuer das ganze Land bilden.

Trotzdem alledem weiss ich am Ende nicht, was "typisch deutsch" ist, genausowenig wie ich sagen kann, was als "typisch amerikanisch" gelten soll. Aber ich weiss, dass ich in Deutschland wie in Amerika viele offene, aufgeschlossene Menschen kenne, und dass von Zusammenarbeit nur Gutes kommen kann.

Zuletzt moechte ich mich bei meinem Local Club und bei der VDAC bedanken fuer ihre Unterstuezung des Austauschprogramms – auf finanzieller und anderer Weise, durch Seminare in verschiedenen deutschen Staedten, Einladungen zu Hause, und Betreuung

 

Susannah 2004/05